17.10.2011
Feminismusdebattenmanifest
Feminismus ist wichtig und besonders effektiv, wenn er debattiert wird. Wer redet, schadet niemandem, außer vielleicht durch penetrantes Auf-die-Nerven-gehen. Darum sind Debatten aus Sicht der Linkshirnextremist_innen in Effektivitätsdingen einer theoretischen Erschießung gleichgesetzt.
§ 1
Feminismusdebatten sind kein Mem, noch nicht einmal, wenn sie mit Katzenbildern ausgestattet sind.
§ 1a
Feminismusdebatten bestehen natürlich aus Memen, allerdings bestehen Menschen auch aus Zellen, und sind trotzdem keine Amöben.
§ 2
Wer sagt "Die kommen nur nicht damit klar, dass wir Männer mögen" hat automatisch verloren.
§ 2.1
Ob dies zu einer theoretischen Erschießung führt, wird im Einzelfall entschieden
§ X-n = < 10
x > 9000*Käse³
$3
Zum Führen einer jeden Debatte, aber insbesonders einer Feminismusdebatte, ist komplette Ahnungslosigkeit von Vorteil.
§3a
Das Lesen von Büchern, Texten, oder das Führen von Diskussionen über 140 Zeichen wird nicht empfohlen. Es sei denn es sind Bilderbücher. Und wenigstens 200 Jahre alt.
§3b
§ 2 gilt trotzdem.
§10
Frauen, die öfter als dreimal in der Öffentlichkeit erklären, dass sie Feminismus toll finden, aber sich gleichzeitig bei auftauchenden Problemen in den hilfloses, kleines Mädchen-Modus versetzen und um männliche Hilfe beim Heimwerken, Sachentragen und Nachdenken bitten, werden nach der Revolution wahlweise theoretisch erschossen oder im Uranbergbau eingesetzt.
Gleiches gilt für Frauen, die den Feminismus penetrant und öffentlichkeitswirksam doof finden, aber trotzdem Hosen tragen, irgendwas mit Technik studieren gehen, bei Bundeswehr oder Polizei rumballern oder ähnlich traditionell-hegemoniell-patriarchalisch geprägte Aktivitäten ausüben wollen.
§10b
Sich in den Mantel helfen zu lassen oder den Stuhl zurechtgerückt bekommen sollte auch Feminismusgutfinderinnen erlaubt sein, da dies keine tatsächliche Hilflosigkeit betont, sondern auf archaische Balzrituale zurückgeht, an der manche Leute noch ihren Spass haben,außerdem ist das Empfangen solcher Gesten als Lob der Faulheit gutzuheißen.
§10c I.
Wer wem Frühstück ans Bett bringt, wird von uns traditionell nicht bewertet und hat auch nicht wirklich viel mit dem Geschlecht zu tun.
§10c II.
Nach der Revolution haben wir dafür Roboter. Oder Frühaufsteher_innen. Für alle.
§11
Zu Feminismusdebatten kann jeder anziehen was er oder sie oder es möchte, verboten sind lediglich beigefarbene Zipfelröcke, Oberbekleidung mit katzenfeindlichen Aufdrucken sowie Stiefeletten (Männer) oder Rüschenblusen (Frauen) (für Weiteres s. Modemanifest)
§11b
"No shirts, no shoes: No feminism!" kann generell nich gelten. Es sei denn Hemd und Schuhe werden durch beigefarbene Zipfelröcke ersetzt.
§12
Am besten funktioniert eine Feminismusdebatte, wenn man auf Beleidigungen verzichtet.
§ 14
Feminismusdebatten sind keine Sonderform des Schwanzvergleichs. Sätze wie "Meine Feminismusdebatte ist aber viel geiler/größer/schöner als Deine" können bereits vor der Revolution zur theoretischen Erschießung führen
§14b
Selbst Sätze wie "Meine Feminismusdebatte findet im Freibad statt" oder "Zu meiner Feminismusdebatte wird Rotwein ausgeschenkt" oder "Deine Feminismusdebatte ist mir zu überfüllt" können geahndet werden, weil die Qualität der Bewirtung keine Aussage über die Qualität einer Debatte machen.
§14c
Wobei zu einer formvollendeten Feminismusdebatte durchaus auch kleine Erfrischungen gereicht werden können. Popcorn zählt in diesem Zusammenhang jedoch ausdrücklich nicht dazu. Nusskuchen aber schon.
§15
Guildo hat euch lieb, egal, ob es sich bei dem Nusskuchen um Nussecken handelt, oder nicht.
§ 23
Debatten sind nur Debatten, wenn jede_r (jede_r was? bezieht sich das auf die Debatten, oder auf die Debattanten?) als Ausdruck einer gesellschaftlichen Funktion auftritt. (?) Können wir das auch in verständlich haben? nein, das war sarkasmus
§Drölfzig
"Deine Mutter" gilt als Totschlagargument und sollte nicht thematisiert werden.
§ 42
Jeder nur ein Weltbild.
§ 666
Maskulismusdebatten sind ein Widerspruch in sich.
§ 667
Hm...
17.10.2010
Wenn dem so wäre, wie dem nicht ist. Eine linkshirnextremistische Anekdote.
Es trug sich zu eines samstags Mittags, daß der Schreiberling sich befand vor dem Roten Rathause zu Berlin und befand, daß es Schluß zu sein habe mit der ganzen reaktionären Grütze, die Tag für Tag die Menschheit umschwappt. Geschult durch die ideologische Kompetenz, die nur dem Linkshirnextremismus innewohnt packte er den revolutionären Eifer aus dem Jutebeutel aus, blies ihn auf, bis kurz vor dem Momente des Platzens und versicherte sich der Unterstützung der revolutionären Massenmassen.Dies war ein Moment, der kurz zum Zögern einlud, denn die Massenmassen fehlten. Der Schreiberling beschloß, daß es keineswegs der Moment war sich zum Zweifeln einladen zu lassen und legte weiterhin fest, daß die Massenmassen alleine durch ihre potentielle Anwesenheit, Rückzug, Vorstoß und Jubelfläche freizuhalten haben. Wenn es scheiterte könne man sie im Nachhinein immer noch für ihr Fernbleiben im Momente der Revolution tadeln.
Mit dem revolutionären Eifer unter dem Arm geklemmt betrat der Schreiberling also die Hallen dessen was nicht zu sein hat und stellte den Eifer fein säuberlich vor dem Tresen des Empfanges ab.
„Ich verlange zu wissen wo der Balkon sich befindet, der dafür eingeteilt ist das Ende der Republiken, die Revolution, die Zerschlagung der Frühaufsteher_innendiktatur zu poklamieren.“ polterte er die, ob eines solchen Übermaß revolutionären Eifers, verdutzt dreinschauende Gestalt am Empfang an.
„Sie müssen wissen, daß es keinen Balkon für solch einen abstrusen Anlass gibt. Und es ist schwerstens illegal obendrein.“
„Meine Dame, es ist doch wohl keineswegs die Aufgabe der Revolution sich um die Tugenden dessen was nicht sein soll zu kümmern, noch die Aufgabe der Revolutionäre diese zu beachten.“
„Ich weiß nun nicht wo Sie gerade Revolutionäre sehen, ich sehe einen, einen mit einer undefinierbarer Plastikbeigabe obendrein, welche mit revolutionärer Eifer betitelt ist, jedenfalls haben wir keinen Balkon um das Ende der Republiken zu verkünden.“
„Unterschätzen Sie nicht die imaginäre Macht der revolutionären Massenmassen! Wenn dem so wäre, wie dem nicht ist, dann läge das offensichtlicher auf der Hand. Es ist dem aber nun so wie es ist und nicht wie dem nicht ist, deswegen ist es falsch. Ob Sie das verstehen ist mir nun egal, ich werde mich von dannen machen und mit den revolutionären Massenmassen das Ende des Endes der Geschichte feiern. Versauern Sie doch in Ihrer schlecht bezahlten Arbeit im Hort des Verrates an der Revolution des Linkshirnextremismus.“
Diese Tirade schien Wirkung gezeigt zu haben, jedenfalls schloß sie sich mir an. Vielleicht hatte sie auch einfach nur Feierabend und zufälligerweise denselben Weg. Neben den Massenmassen und dem aufblasbaren revolutionärem Eifer waren wir nun schon zwei, die lärmend und die Agent_innen des Falschen aufs bitterste beschimpfend, Richtung Kreuzberg zogen.
Auf dem Wege trug es sich zu, daß eine Dame, die ihre besten Tage schon einige Jahrzehnte hinter sich hatte, einer anderen, gleiche Verfallsstufe, den Weg zur Schaltzentrale der Reaktion, dem hässlichen Protzbau des Axel Springer Verlags, wies. Unser Demonstrationszug der Massenmassen hielt an um diese Verfehlung nicht unkorrigiert vonstatten gehen zu lassen.
„Heda, alte Frau“, kurze Tumulte entbrennen, die Frau will das allzu Offensichtliche nicht anerkennen und versucht die Revolution mit ihrer Krokodilslederhandtasche zu bremsen, „in den Tagen der Revolution wird nicht auf die Zentralen des Falschen verwiesen.“
„Revolution?! Was ist das denn bitte? Stalin?“
„Knapp daneben, werte Dame, der Linkshirnextremismus zerschlägt die Macht und die Frühaufsteherdiktatur. Das Wochenende wird zur ersten Bürger_innenpflicht“, man beachte wie der Unterstrich mitgesprochen wird, eine wahrlich revolutionäre Geste, „und mit Axel Springer ist es nun auch vorbei.“
Sie versuchte noch einmal mich und meine wackere Mitstreiterin, sie hatte stellte sich später heraus zwar wirklich Feierabend und beschloß diesen zu nutzen um der Revolution zu helfen, aus dem Portale des Rathauses, welches rot ist, mit ihrem Produkt aus Krokodilshaut empfindlich zu schädigen, die imaginären Massenmassen waren ob ihrer gespenstischen Gegenständlichkeit gänzlich unbeeindruckt geblieben, und entschwand mit einer Tirade über die Jugend von heute, oder die jungen Erwachsenen, in ihrem Alter könnte aber auch alles einen Verstoß gegen die vorweimarschen Moralkodexe ihrer Jugend bedeuten.
Wir gingen weiter, zerschlugen die Macht des Scheißverlags zu unserer Rechten durch bloße Ignoranz, bogen rechts ab um die taz direkt mit in den Strudel zu reißen. So warfen wir dreißig Farbeier gegen die Promenade und zwangen sie so zur Aufgabe. Und begaben uns schließlich auf das neugeschaffene Feld der linkshirnextremistischen Revolution, dort wo früher der Reichstag zu sein beliebte. Noch bevor der linke Bewegungszirkus ihn belagern konnte hatte der Linkshirnextremismus ihn zu Fall gebracht. Wenn dem so wäre, wie dem nicht ist, dann wäre dem so.
15.04.2010
Liebeserklärung an alle Linkshirnextremistinnen I
:-*